Frauen im Senegal 2

Mädchen oder junge Frauen, die in der Stadt eine Stelle als Hausmädchen („bonne“) finden, haben einerseits Glück gehabt, denn dies ist eine der wenigen Möglichkeiten für ungelernte Frauen, etwas Geld zu verdienen. Das monatliche Gehalt hängt vom Umfang der abgesprochenem Tätigkeit, der Erfahrung und dem Verhandlungsgeschick ab. Es liegt etwa zwischen 30.000 und 50.000 CFA im Monat; dazu kommen Essen und in der Regel eine Schlafstelle. Das Problem der „bonnes“ ist der meist nur mündlich abgeschlossene Arbeitsvertrag und die damit verbundene Gefahr der Ausbeutung auf allen Ebenen. Dagegen können die jungen Frauen kaum etwas unternehmen.

In den dreimonatigen Sommerferien während der Regenzeit versuchen viele ältere Schülerinnen in den Städten eine Hausmädchenstelle zu finden; gelingt ihnen dies, kehren sie nach den Ferien nicht ins Dorf und in die Schule zurück. Und ein zu den Verwandten in der Stadt gegebenes jüngeres Mädchen vom Land bekommt dort für seine Mithilfe im Haushalt nichts, es muss dankbar sein, aus dem Dorf herauszukommen und in der Stadt „etwas zu lernen“.

Holz für das Küchenfeuer
Aufgabe der Frauen ist es, Holz für das Küchenfeuer zu sammeln. Manche Haushalte kochen mit Gas, aber wenn dessen Preis steigt, geht man wieder Holz suchen oder kauft Holzkohle. Die Verwendung von Holz und Holzkohle, auch bei der unverzichtbaren Teezubereitung, ist eine wesentliche Ursache für das ständige Vordringen der Wüste nach Süden, das mit allen bisherigen Anstrengungen nicht gestoppt werden konnte.

Wo kein totes Holz zu finden ist, wird Holz geschlagen. Ganze Dörfer stellen Holzkohle her und verkaufen diese säckeweise an der Durchfahrtstraße. Daneben wird für das Trocknen und Räuchern von Fisch an den Küstenorten viel Holz verbraucht.

 

 

Wasser holen
Auch das Heranschaffen des Wassers ist Aufgabe der Frauen und der größeren Mädchen. In den Städten und in einigen Dörfern Senegals gibt es zwar Wasserleitungen; doch die Menschen auf dem Lande holen sich noch das Wasser aus Brunnen. Manchmal sind diese nicht direkt am Haus und die Mädchen und Frauen brauchen einige Zeit, um zum Brunnen hin- und zurückzugehen.
Dieses Brunnenloch ist durch die Tonne etwas geschützt; oft sind die Brunnen einfache Löcher im Boden, in die auch schon mal Tiere oder Unrat fallen können.

 

Essen zubereiten

Hirse oder Gewürze stampfen ist eine harte Arbeit für die Frauen. Ein senegalesisches Gericht zuzubereiten, dauert kaum weniger als zwei, oft bis zu drei Stunden. Die speziellen Gewürze werden der Reihe nach in das Stampfgefäß gegeben.
Doch auch wenn nicht gestampft und der preiswerte thailändische oder vietnamesische Reis von minderer Qualität gekocht wird, dauert es seine Zeit. Er muss zuerst gesäubert werden, allein das kann bei einem Kilo fast eine halbe Stunde dauern. Kleine Steinchen, tote Insekten, Pflanzenreste oder anderes müssen von Hand sorgfältig aussortiert werden.

Gekocht wird meist in einem Küchenbereich außerhalb des Hauses. Hier bereitet die junge Frau für 15 Personen das Abendessen vor. Man isst unter sich, d. h. jede Geschlechts- oder Altersgruppe – die Kinder, die Frauen des Hauses, die Männer, die Alten, die Gäste – bekommt ihre Reisschale mit Gemüse und Soße. Fleisch oder Fisch kommen in kleinen Mengen gelegentlich dazu.

 

Marktfrauen
Marktfrauen bieten oft nur einige wenige Waren an, zwei Dutzend Tomaten oder Orangen, ein Häufchen Zwiebeln, in kleine Plastiksäckchen abgepackte Erdnüsse usw. Oft werden billig in der nächst größeren Stadt gekaufte Waren für einen geringen Aufpreis im Dorf weiterverkauft. Man harrt lange aus auf dem Markt, Zeit spielt keine große Rolle, und schon ein Gewinn von umgerechnet einigen Cent ist willkommen.

 

   

  

Tragen auf dem Kopf
Der Weg zum Markt kann mitunter sehr weit sein. Die wenigen Waren werden auf dem Kopf getragen, genauso wie der Wassereimer oder das Feuerholz. Von klein an lernen die Mädchen diesen Transport aller schweren Dinge auf dem Kopf und erreichen eine unglaubliche Geschicklichkeit darin. Dem westlichen Reisenden fällt der aufrechte Gang der senegalesischen Frauen auf, der Stolz und Anmut zeigt.

 

Weibliche Beschneidung

Obwohl die weibliche Beschneidung seit 1999 im Senegal verboten ist, wird sie weiter praktiziert. Genaue Angaben über die aktuelle Situation zur weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) zu finden, ist sehr schwer. Die von Ethnie zu Ethnie unterschiedliche Tradition der Beschneidung – manche Ethnien praktizieren sie gar nicht – wird von Frauen weitergetragen. Wie viele kulturelle Traditionen in Afrika ist die weibliche Beschneidung eine Geschlechtsgruppen-Tradition: sie wird von Frauen an Frauen mit Hilfe von Frauen durchgeführt.
Männer sind explizit ausgeschlossen und auch über die Praktiken und Rituale kaum informiert gewesen. Zumindest geben sie das in der Regel an.Dies hat sich jedoch mit dem Kampf gegen die FGM seit den 90er Jahren geändert.
Das Entsetzen und die Betroffenheit in der westlichen Welt über diese Gewalt gegen Frauen führte in den 90er Jahren zu ersten organisierten Aufklärungen und Aktivitäten gegen die weibliche Beschneidung in Afrika. Finanziert und organisiert von westlichen Frauengruppen zeigte der Kampf in der Zusammenarbeit mit den afrikanischen Frauen in einigen Staaten Erfolge, wie z.B. gesetzliche Verbote dieser Praktiken (Togo, Burkina Faso, Senegal, Ghana, Guinea-Conakry u.a.) .
Das enorme Betroffenheitspotential verstellte allerdings mitunter westlichen Streiterinnen den Blick für ein genaues Verständnis der kulturellen Verwurzelung der Beschneidungspraxis und der mit ihr einhergehenden sozialen Bedeutung, gerade auch für die Opfer.
So täuschten die anfänglichen Erfolge über die weiter bestehende Tradition hinweg. Folgen des Verbotes waren u.a., dass die Beschneidungen nun in die frühe bis früheste Kindheit verlegt wurden, dass sie in Hospitälern erfolgten oder auch im Ausland, dass sie heimlicher als zuvor vorgenommen wurden.
Erst allmählich setzte sich bei den westlichen Akteurinnen das Verständnis durch, dass die weibliche Beschneidung auch als soziales Ritual innerhalb der afrikanischen Gesellschaft zu sehen und anzuerkennen ist, welches z.B. als Initiationsritual den betroffenen Frauen den Zugang zur Frauengesellschaft und zum sozialen Leben in ihrer Frauengruppe öffnet. Wer nicht an diesem Ritual teilgenommen hat, gilt nicht als vollwertige Frau, verliert an Ansehen in der weiblichen Altersgruppe, hat schlechtere Aussichten auf einen Ehemann.

So gehen seit einiger Zeit in diesem Bereich arbeitende ONGs dazu über, alternative Rituale in den Kampf gegen die FGM einzubeziehen: auch für nicht beschnittene Mädchen werden z.B. Feste und Geschenke organisiert, die den Übergang in die Lebensphase als Frau für die einzelne und die soziale Gruppe symbolisieren und deutlich erfahrbar machen.
Die von westlichen Frauen eingeführte Bezeichnung „Genitalverstümmelung“ hat sich im Kampf gegen diese als kontraproduktiv erwiesen: keine der Beschneiderinnen sieht sich als „Verstümmlerin“ oder als kriminell an. Die verbale Stigmatisierung bzw. Kriminalisierung der Beschneiderinnen führte eher zu einem Rückzug dieser notwendigen Ansprechpartnerinnen, die ihre Rolle und ihr Anliegen in der Bezeichnung nicht wiederfinden konnten.
www.stop-mutilation.org/medien/0013.asp
www.fgm-nrw.info

Siehe auch:
– Rap gegen Verstümmelung
Frauenbeschneidung in Senegal

Ausschnitt aus: Die stolze Rebellin, Fatou Keita


Zeitungsartikel

Schlichtung
Debatte über die Strafaufhebung bei Beschneidungsdelikten

Der Kalif der Familie Omar verlangt die Aufhebung der Bestrafung für Beschneidungen mit der Begründung, dass die Entscheidung über eine Fortsetzung oder einen Stopp dieser Praxis allein der Bevölkerung zusteht. Die Feministinnen wollen eine Rückkehr zur Religion, um die Debatte für oder gegen die Beschneidung, die heute als Gewaltakt gegen Frauen angesehen wird, zu schlichten.
„Unglaublich!“ Ute Gierczynski-Bocandé, Programmbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung, hat kein anderes Wort angesichts dieses verbalen Ausfalls des Kalifen der Familie Thierno Mountaga Tall bei der jährlichen ziarra am letzten Wochenende. Man könne keinen eindeutigeren Beweis haben für die Aktualität und die Wichtigkeit der Fortbildung dieser Stiftung zum Thema „Plädoyer für den Schutz der sexuellen Rechte von Mädchen und behinderten Frauen“ im Rahmen des Kampfes gegen die Instrumentalisierung der Traditionen für die Rechtfertigung der Gewalt gegen Frauen.
Zur Erinnerung: Thierno Madani Tall hatte die Regierung aufgefordert, das gesetzliche Verbot der Beschneidung zu überprüfen, nachdem eine Mutter in Matam verhaftet worden war. Den Gewohnheiten einen bedeutenderen Rang einräumend als den Menschenrechten, hatte der Khalif verkündet: „Es ist die Gesellschaft selbst, die ihre Ansicht über das Ende der Beschneidung bestimmt und nicht ein Gesetz,“ – eine Meinung, die von den Frauenrechtlerinnen des Landes geschlossen zurückgewiesen wird. Yacine Diong Fall, Präsidentin des Verbandes „Femmes d’Amnesty Senegal“ zeigt sich geschockt: „Ich bin zusammengefahren, als ich diese Worte gehört habe, die zu einer Stunde abgegeben werden, wo wir gerade anfangen, den Kampf gegen die Gewalt an Frauen zu gewinnen.“
Sie appelliert an die Regierung, die volle Verantwortung zu übernehmen, denn die Beschneidung der Mädchen ist ein Akt der Gewalt, der ernsthafte Behinderungen nach sich zieht. „Man weiß, dass die weiblichen Genitalverstümmelungen sehr gefährlich für die Gesundheit sind.“ Und über die Verletzung der Menschenrechte hinaus handele es sich um eine Verletzung der islamischen Religionsgrundlagen. „Die Praxis der Beschneidung ist nirgendwo in der Religion festgelegt. Alles, was der Gesundheit schaden kann, ist durch die Religion verboten und ausgeschlossen. Dies ist einfach eine überkommene Praxis“, argumentiert sie.
Für Madame Cissé ist die Tatsache, dass Religionsführer das Wort ergreifen, um die Verletzung der Frauenrechte zu verlangen, „Politik unter religiösem Vorwand“. Die Verfechterin der Frauenrechte geht sogar noch weiter: „Wenn die Religionsführer sagen, dass die Regierung mit dem Gesetz auf den Bereich der Religion übergreift, erstaunt mich das. Dies ist eine falsche Interpretation der Religion.“ Die große Gefahr, meint sie, liegt in der Tatsache, „dass man auf einem Niveau angekommen ist, wo die überkommenen Praktiken mit der Religion vermischt werden.“
Zu einer Rückkehr zur Religion lädt auch Madame Fall ein und unterstreicht die Notwendigkeit des Kampfes gegen „kulturelle Barrieren“. In diesem Streit „muss man von der Religion ausgehen, um zu zeigen, dass die Kulturen manchmal Bremsen für die Religion sind.“
Nach Ansicht dieser Frauen sollte der Khalif besser die Gesellschaft ermahnen, die religiösen Texte zu beachten, anstatt die alten Bräuche zu verteidigen, die sogar dem islamischen Glauben entgegenstehen. Wenn er so die Regierung kritisiert, heißt das, noch mehr die Augen zu verschließen vor dem, was weiterhin geschieht bezüglich der Mädchenbeschneidungen.
Le Quotidien, 26.1.2010

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Tanz
Frauen verpassen kaum eine Gelegenheit zu tanzen. Bei allen Festen – Taufe, Hochzeit, Tabaski, Rückkehr der Pilger von der Mekkareise etc. – wird getanzt. Die Trommeln locken die jungen und älteren Frauen der Nachbarschaft heran; einzeln oder in kleinen Gruppen tanzen sie zu den komplizierten Trommelrhythmen des Mbalax (ein typisch senegalesischer Musikstil) und haben eine mitreißende Freude und Begeisterung in den Augen.

        

Alte Frauen haben es schwer; da es im Senegal keine Renten- oder Sozialversicherung gibt (außer für Beamte), sind sie abhängig von der Versorgung und Betreuung durch Familienmitglieder. Wenn der Mann gestorben ist oder keinen Verdienst hat, die Kinder in anderen Städten leben, kann das hart sein. Besonders alleinstehende alte Frauen sind dann eine Last im Haushalt des Bruders, des Schwagers, eines Kindes etc. Zwar genießen Menschen im Senegal traditionell ein höheres Ansehen als in Westeuropa; ihr Rat auf der Grundlage ihrer Lebenserfahrung, aber auch ihre Autorität in Familien- und Dorfangelegenheiten gelten vor allem im ländlichen Gebiet sehr viel. Doch ändert sich dies zur Zeit, die junge Generation hat andere Vorstellungen, Denkweisen, Lebensziele als Eltern und Großeltern. Vielfach entsprechen die Ratschläge und Entscheidungen der Alten nicht mehr der Realität einer sich wandelnden senegalesischen Gesellschaft. Und doch ist die Tradition, das Bewahren des Alten, ein enorm wichtiger Wert – und zugleich ein Hemmfaktor für Neuerungen und Änderungen, auch wenn sie sinnvoll und hilfreich erscheinen.