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Ecole Patate 2017
 

Wie schon im letzten Jahr, vereinbare ich mit Max gleich an meinem Ankunftstag in Ziguinchor ein Treffen, um ihm das Geld des Vereins Makoi zu übergeben und mich der Verantwortung dafür zu entledigen. Max hat gerade eine Augenoperation hinter sich, trägt auch am Abend eine Sonnenbrille und kann die hellen Mittagsstunden nicht draußen verbringen. Auch unterrichten kann er zur Zeit nicht, hält sich aber vormittags wenige Stunden an der Schule auf.
Zum Problem der Schüler ohne Papiere gibt es im Senegal eine erfreuliche Entwicklung, erzählt Max. Seit einiger Zeit werden hierzu öffentliche Anhörungen, so genannte audiences foraines abgehalten, auf denen Senegalesen ohne Geburtsurkunde in einem vereinfachten Verfahren und nahezu ohne Kosten ihr Dokument erhalten können. Die landesweite Problematik der Schüler ohne Papiere war auch in den Medien (1) angesprochen worden, zudem scheint die Regierung von Macky Sall stärker um ein geregeltes Zivilstandsverfahren bemüht zu sein als die Vorgängerregierung (2).


Beim Rundgang in der École patate und im angrenzenden CEM sehe ich mehrfach Farbbilder des Staatspräsidenten
in den Schulbüros. Die hingen im letzten Jahr noch nicht oder vielleicht vereinzelt, fallen mir nun aber durch ihre konsequente Präsenz auf.

           

Als ich danach frage, wird mir erklärt, dass die Schulleitung verpflichtet sei, diese Farbkopien zu kaufen und aufzuhängen. Der Ton, mit dem die Antwort gegeben wird, macht einen leichten Unmut deutlich, der sich vielleicht auch auf den hohen Preis von 35.000 CFA bezieht, den die Schule für jedes Foto zahlen muss. Ob der Zusatz zur Preisangabe - der Foto-Vertreiber sei ein Verwandter des Präsidenten - ernst oder ironisch gemeint ist, kann ich nicht entscheiden. Der Unmut ist verständlich bei einer Summe von über 50 Euro pro Bild, und hier am CEM habe ich allein drei damit ausgestattete Büros gesehen. Die Verfügung zur Zwangsanschaffung kann man durchaus als ersten Schritt zu einem staatlich verordneten Personenkult ansehen, der vielleicht mit dem im Senegal verbreiteten Nepotismus einhergeht. Jedenfalls hinterlässt der allgegenwärtige Präsidentenblick einen eigenartigen Eindruck. Neu ist auch die Vorrichtung für einen Fahnenmast zwischen den Schulgebäuden. -

Die Probleme der école patate sind ähnlich wie in den letzten Jahren; immerhin sind nun alle Strohhüttenklassen durch Steingebäude ersetzt und es gibt einen Stromanschluss.

 

Max erzählt, dass die Wasserversorgung mit der nun wieder funktionierenden Pumpe einige Meter neben seinem Klassenraum zwar gesichert sei, aber wenn die Pumpe am CEM ausfalle, komme es immer zu Engpässen.


Noch komplizierter werde die Situation, da das Schloss nicht funktioniere und sich das halbe Viertel Lindiane an dieser Wasserstelle bediene. Und tatsächlich ist gerade ein Motorrad vorgefahren, der junge Mann lädt zwei Kanister ab, die er an der Pumpstation zu füllen beginnt. So gehe das den ganzen Tag und störe vormittags den Unterricht, meint Max. Das Schloss sei zweimal ersetzt worden, und zweimal habe man es am Morgen zerstört vorgefunden. Diebstahl und Zerstörung gebe es auf dem Gelände immer wieder; so seien vor kurzem die Sitzklos auf den Toiletten abmontiert und mitgenommen worden. Eine Mauer um dasSchulgelände wäre eine gute Investition.
Weiterhin sei es problematisch mit der Inklusion, die auf Kosten der Mehrheit der Schüler gehe und den wenigsten der behinderten Schülern etwas bringe.
Und die Schulkantine habe man inzwischen aufgegeben, denn die kostenlose Lebensmittelabgabe sei eingestellt worden.
Was denn mit den Patenschaften sei, die der Verein Makoi in Deutschland anbiete, frage ich. Max winkt ab, er wisse von keiner einzigen Patenschaft, die bisher zustande gekommen sei.

Überhaupt lebe man in einer unklaren Situation, die jede Überlegung zu weiteren Verbesserungen und Investitionen an der école patate behindere. Vor kurzem sei eine Kommission an der Schule gewesen, die eine Geländeerfassung vorgenommen habe. Die Pläne für einen Neubau des Flughafens einige Kilometer vor Ziguinchor auf der anderen Seite des Casamance-Flusses seien nämlich aufgegeben worden. Man plane stattdessen eine Erweiterung des an den Schulbereich quasi angrenzenden bestehenden Flughafengeländes für den internationalen Flugverkehr. Dafür werde wahrscheinlich das Schulterrain gebraucht und damit werde die Zukunft der école patate und auch des CEM ungewiss.
Keine guten Aussichten. Aber solche Pläne haben einen sehr langen Vorlauf, und ob es tatsächlich zu einer Erweiterung kommt, ist auch nicht sicher. Für die Casamance wäre es ein enormer Fortschritt, vor allem hinsichtlich des Tourismus, dessen Potential - bis auf die Küstenregion - noch wenig erschlossen ist. Für die école patate wahrscheinlich das Aus, zumindet für ihre Existenz hier auf den ehemaligen Kartoffelfeldern.



(1)
Les enfants fantômes au Senegal
http://www.lemonde.fr/afrique/article/2016/08/03/un-combat-pour-la-vie-3-les-enfants-fantomes-du-senegal_4977772_3212.html
Übersetzung hier

Mamadou Diédhou, l’ange gardien des enfants fantômes
http://www.lemonde.fr/afrique/article/2016/08/03/un-combat-pour-la-vie-4-mamadou-diedhou-l-ange-gardien-des-enfants-fantomes_4978033_3212.html
Übersetzung hier

(2)

http://www.servicepublic.gouv.sn/index.php/demarche_administrative/demarche/2/325

http://www.lesoleil.sn/component/k2/item/60962-audiences-foraines-macky-sall-rend-gratuite-la-delivrance-des-actes-d-etat-civil.html