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Aline Sitoe Diatta -
Königin und Priesterin, Heldin des Widerstandes in der Casamance

Geboren zwischen 1910 und 1920 in Kabrousse im Quartier Mossor als Tochter von Silosia Diatta und Dassonelo Diatta, ist sie in der Casamance das Symbol der Widerstandes gegen jede Form der Fremdherrschaft geworden.

Nach dem frühen Tod ihres Vaters wuchs sie bei Elabalin Diatta, ihrem Onkel väterlicherseits auf. In jungen Jahren verließ sie ihr Dorf, um in Ziguinchor im Hafen zu arbeiten. Auf Grund beschwerlicher Lebensumstände verlässt sie die Casamance, geht nach Dakar, wo sie Hausmädchen bei einem Kolonisten namens Martinet wird, einem Kaufmann von Haupterzeugnissen in Westafrika. Sie wird etwa 18 oder 19 Jahre alt gewesen sein.

Einige geben an, sie habe ihr erste Offenbarung 1941 in Dakar gehabt, welche von ihr verlangt habe, nach Hause zurückzukehren und einen Kampf für die Errettung Senegals vor den Besatzern zuführen. Andere Quellen wollen genau wissen, dass sie am 8. März 1940 auf dem Weg zur Arbeit eine Stimme gehört habe, die ihr sagte: "Geh nach Hause oder es wird dir Schlimmes geschehen." Aber sie kam der Aufforderung nicht nach. Vier Tage später stellte sie beim Aufwachen fest, dass sie gelähmt war. Sie wurde in die Casamance gebracht, wo die Lähmung bei ihrer Ankunft verschwand. Als Folgeschaden behielt sie ein Hinken zurück.
Sie forderte ihr Volk auf, jegliche von den Kolonialisten aufgezwungenen Aktivitäten kategorisch zu verweigern (die Steuern in bar oder in Naturalien zu zahlen, Erdnussanbau statt Reisanbau zu betreiben, sich für den Kriegsdienst anwerben zu lassen) und führte die Diola so auf den Weg des Widerstandes. Sie führte auch die alte Diola-Wochenzählung wieder ein, die nach 5 Arbeitstagen einen Ruhetag vorsieht, ordnete Opferungen, neue Gebetsformen und eine Erneuerung der traditionellen Religion an.

Wunderheilerin
Eine Trockenheit war über das Dorf hereingebrochen und die Bevölkerung verlange von ihr, etwas dagegen zu tun. Einige meinen, der Regen sei nach einer Meditation und ihren Gesängen gekommen und hätte die Trockenheit vertrieben. Andere meinen, dass nach einer Opferung von schwarzen Ochsen der wohltuende Regen auf die ausgetrockneten Felder niedergegangen sei.

Sie war imstande Wunder zu bewirken. Sie begann mit Heilungen, indem sie einfach die Hände auflegte. Das geschah fast ohne dass sie es merkte. Sie besuchte eine Familie und, wundersamer Weise, schon als sie ihnen den Rücken zukehrte, gewann der bettlägerige Mann oder die Frau ihre Lebenskraft zurück allein dank des Händedrucks von Aline Diatta.

Ihr Name wurde in der Region bekannt. Viele Dorfgruppen begaben sich nach Kabrousse um sie zu treffen. Die Audienzen wuchsen und wuchsen, denn außer den Wundern, die man ihr zuschrieb, bewegte alle ethnischen Gruppen - egal welcher Religionszugehörigkeit - ihre Botschaft des Respekts vor den Traditionen. Und weil der alte König der Casamance gestorben war und sein Nachfolger nur eine Person mit übernatürlichen Fähigkeiten sein konnte, bat man Aline Sitoe Diatta, diese Aufgabe zu übernehmen. "Sie wurde zur Königin geweiht" und alle Welt kam gepilgert, um die Opferungen vorzunehmen, die sie forderte für eine göttliche Vergebung (oder für den Regen kam etc.)

Rebellin und Aufsässige
In der enormen Zahl der zu ihr pilgernden Menschen, derer, die ihre Ideen übernahmen oder die sich den Weißen nicht mehr unterordnen wollten, sahen die Besatzer eine wachsende Gefahr und machten sich auf, sie zu suchen. Die koloniale Verwaltung bezeichnete sie als Rebellin und Aufrührerin und meinte, dass sie einen schleichenden Aufstand predige, dass sie sich Frankreich widersetze und dass sie zu töten sei.
So kam es, dass eines Tages die Soldaten auftauchten, und zwar an einem Tage, als sie ihre Regel hatte. (Bei den Diola gilt die Menstruation als unsauber, und die menstruierende Frau muss, unter anderem, ihr Haus verlassen und in einem extra hierfür vorgesehenen Ort schlafen.) Sie schossen auf einige, die sie in der Umgebung fanden, und töteten eine Frau, die sie für Aline hielten, die aber, wie man sagt, ihre Mit-Ehefrau war. Am nächsten Tag stellte sie sich freiwillig, um zu verhindern, dass weitere Unschuldige getötet würden.

Aline Sitoe Diatta wurde am 8. Mai 1943 verhaftet. Auch ihr Ehemann wurde inhaftiert und Jahre später freigelassen. Die Königin-Priesterin von Kabrousse wurde im Senegal von einem Gefängnis zum anderen weitergereicht und schließlich nach Timbuktu in Mali transportiert, wo sie 1944 für tot erklärt wurde. Sie erlag wahrscheinlich den Schikanen, den Foltern, dem Nahrungsentzug und der Verweigerung einer Behandlung, als sie krank wurde.

übersetzt: http://www.au-senegal.com/aline-sitoe-diatta,1628.html?lang=fr

Nach Aline Sitoe Diatta sind viele Schulen im Senegal benannt, das Stadion in Ziguinchor trägt ihren Namen, auch das zwischen Dakar und Ziguinchor verkehrende Passagierschiff.